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Zum Tod von Harry Paßeckel

28. Mai 1928 bis 23. März 2019

Wir haben die traurige Pflicht, darüber zu informieren, dass Harry Paßeckel, Ehrenmitglied unseres Vereins seit 1984, verstorben ist.

Harry trat dem FC Stern am 14.11.1949 bei – also vor fast 70 (in Worten: siebzig) Jahren!

Zu diesem Zeitpunkt hatte der FC Stern gerade seine Wiederzulassung von den Alliierten erhalten, nachdem vor dem Krieg die seinerzeitigen Machthaber den Vereinsbetrieb allgemein verboten hatten.

Harry war schon 21, und da er sich nicht entscheiden konnte, ob er lieber Fußball spielen möchte oder es als Trainer versuchen sollte, machte er eben beides.

Der große aktive Fußball wurde letztlich nicht sein Ding, aber immerhin war er doch für unsere diversen unteren Mannschaften eine Zeitlang aktiv.

So lief es also auf eine Karriere neben dem Platz hinaus. Zunächst, also schon 1950, als Jugendtrainer - und dies gleich für reichliche elf Jahre, in denen er wahrscheinlich mehr als ein Team managte.

Mitte 1964 beendete Harry seine fußballspielende Karriere endgültig und was lag näher, als sich zum Schiedsrichter ausbilden zu lassen. Gesagt – getan – man gönnt sich ja sonst nichts.

Er hat sich, wie man öfters hörte – sei es von anderen oder von ihm selbst – durchaus einiges gegönnt. Manche Geschichten – vor allem die späteren – erzählen die älteren Sterne noch heute und scheinen legendären Charakter zu haben.

Mit der Übernahme der Schatzmeister-Position Anfang der 1960er-Jahre begann für Harry seine Arbeit im Stern-Vorstand. Auch wenn diese erste Tätigkeit „nur“ vier Jahre andauerte, schien er doch Gefallen am Ehrenamt gefunden zu haben.

Im Juli 1970 wurden er zum 1. Jugendleiter des FC Stern gewählt. Vielleicht nicht seine Lieblingsaufgabe, zumal er von Mai bis September 1971 den Posten des Vereinsvorsitzenden übernehmen musste. Schon daran ist zu erkennen, dass Harry immer einsprang, wenn eine gewisse Not herrschte.

Aber ab Juni 1972 fand er dann seine Bestimmung im Vorstand – auf der Position des Geschäftsführers. Hier konnte er offenkundig seine Stärken ausspielen. Manche seiner Protokolle und Briefe sind erhalten geblieben und geben einen Einblick in die damalige Zeit. Und es ist festzustellen, dass unsere heutigen Themen schon damals angegangen und die Kämpfe, sei es mit dem Bezirksamt oder mit dem Fußballverband, entsprechend ausgetragen werden mussten. Und so unterschiedlich waren die Methoden im Vergleich zu heute nicht.

Bis zum März 1988 – also sechszehn Jahre – übte Harry die Geschäftsführer-Tätigkeit aus und schon währenddessen wurde er für sein großartiges Engagement gewürdigt. Neben den Vereinsehrennadeln in Bronze, Silber und Gold erhielt er 1975 das Goldene Wappen des Bezirks Tempelhof sowie die bronzene und silberne Ehrennadel (1984) des Berliner Fußballverbandes.

Seit 1984 war Harry Paßeckel das erste Ehrenmitglied unseres Vereins.

Eine neue Passion fand er, ohne Zeit zu verlieren (also seit 1988), in der Betreuung unserer 1. Herren. Einige unserer derzeitigen Ü40-, Ü50- und insbesondere Ü60-Spieler, aber auch einige vom derzeitigen Vorstand, erinnern sich sicher an die Zeit mit ihm.

Dass unsere 1. Herren zu der Zeit nicht von externen Linienrichtern gesegnet war – kein Problem. Harry ließ sich als ausgebildeter Schiri nur ungern die Fahne aus der Hand nehmen und man sah ihm die Langweile an, als unsere 1. Herren zu Beginn der 2000er-Jahre in der die Landesliga aufstieg und er nun nichts mehr am Seitenrand tun konnte, weil nunmehr Schiedsrichter-Gespanne die Spiele leiteten.

Lange dauert die Landesliga-Zeit unserer 1. Herren damals nicht, so dass er seine Fahne wiederbekam und in den folgenden Jahren den einen oder anderen neuen 1.-Herren-Trainer kennenlernte.

Anlässlich der Vereinsweihnachtsfeier im Hotel Steglitz International anno 1999 verlieh ihm der Berliner Fußballverband seine Ehrennadel in Gold.

Mit dem Saisonwechsel 2007/2008 – nach 19 (in Worten: neunzehn) Jahren Betreuertätigkeit – wurde vereinbart, dass Harry seine Aufgaben peu à peu an einen Nachfolger weitergibt. Insbesondere sein Umzug nach Schöneberg machte es – ohne eigenen fahrbaren Untersatz – zunehmend schwieriger für ihn.

Nach fast genau achtzig Lebensjahren konnte er sich nun seinem Ruhestand widmen. Anfangs noch öfter, später auch gesundheitsbedingt seltener, besuchte er die Heimspiele „seiner“ 1. Herren. Zu manch Jahreshauptversammlung kam er noch vorbei und auch beim letztjährigen Vatertagsturnier, bei dem es seit vielen Jahren schon um den „Harry-Paßeckel-Pokal“ geht, war er zugegen.

In der Nacht vom 22. zum 23. März 2019 schlief er zu Hause friedlich ein ohne wieder aufzuwachen.

Der FC Stern verliert mit Harry Paßeckel einen der engagiertesten und anerkanntesten ehrenamtlichen Mitarbeiter ever.

Diejenigen, die ihn kannten, werden sich an einen sehr lebendigen und fröhlichen Menschen erinnern, der viel erzählen konnte und dies auch kräftig tat, mitunter, wie man manchmal hört, auch sehr streitbar. Sein zentrales Interesse war dabei aber immer der Vorteil für unseren Verein.

Der FC Stern wird sein Tun und Engagement und sein Andenken in Ehren halten.

 

Für den Vorstand:

Guido Mania – stellvertr. Vorsitzender